Sprache

 

Schreiben heißt für mich dem Gesehenen, dem Erlebten, dem Erträumten, Worte zu geben. Das Finden dieser Worte geschieht mir unmittelbar. Ich setze mich, nehme einen Stift und er tanzt los. Mein Inneres schreibt. Seit meinem zwölften Lebensjahr schreibe ich. Zunächst Tagebuch, um mein Leben irgendwie festzuhalten und das Leben an sich besser zu verstehen.

Das Schreiben erklärt sich nicht nur von sich selbst heraus. Es hat eine Geschichte. Der eine Teil findet Bedeutung darin, mich schriftlich leichter ausdrücken zu können, als zu sprechen. Mich einem Buch mit leeren Seiten öffnen. Ein leeres Gegenüber. Die Resonanz im Lesen hören und Weiterschreiben. Gedanken und Fragen über eine längere Zeit Raum geben, sie sich verwandeln sehen. Gespräche sind schnelllebig, auch bereichernd und lebendig. Gern umgeben von vielerlei Menschen, zuhören, diskutieren, um dann in Ruhe wieder zu verarbeiten, in Tiefe Sinn finden.

Parallel fand ich den Tanz und als junge Frau vor allem den sogenannten Neuen Tanz. Den Körper erst erkunden, ihn in jeder Zelle kennenlernen. Den Körper tief spüren. Atem, Muskeln, Knochen, Gelenke. Von dort ausgehend in Bewegung kommen, Impulsen nachgehen, die aus dem eigenen Körper kommen. In Grenzbereiche hineinforschen. Was steuere ich willentlich? Kann ich den Willen abstellen und mich bewegen lassen? Mit Musik. Ohne Musik. Solo. Duo. Gruppe. Viele Jahre. Ein sehr kreatives, unglaublich erweiterndes Feld. Stimme finden und Töne, die aus dem Innen heraus erklingen.

Wir fingen an, die Künste zu vermischen. Bewegung, Schreiben, Bewegung. Oder Bewegung sehen und zum Geschehen Schreiben. Oder Schreiben, dann Bewegen. Vielerlei Herangehensweisen. Vielerlei Entscheidungsmöglichkeiten.

Vor allem mit einer Freundin begann der Schreibaustausch bereits vor 20 Jahren. Gabriele. Oft in Kombination mit unseren Körpern. In Bewegung. Tanz und Film. Aber auch in anderen Kontexten. Wir tauschen uns immer noch aus. Sind einander Inspirationsquellen und Lauscherinnen und geben einander Feedback.

Musik – als Kind Blockflöte, Querflöte in Kirchen, zur Meditation, als Band, in der Kapelle… Ensemble.

Stimme – Lagerfeuer, Sternenhimmel, Gemeinschaft, Spirit, später das Tönen, Körper und Stimme, heilsam, tiefe Resonanzräume entdeckend, ein Kind gebären, Schreien.

Mich auch immer von vielerlei Musik anderer berühren lassen und erfahren, wie wohltuend Hören und Sehen sein können und sich eine Art andere Welt öffnet. Losgelöst von Zeit und Raum und doch Jetzt.

Simon und ich kamen als Paar zusammen kurz nachdem er bei Gabriele auf einer Lesung gewesen war. Ein Zufall? Auch wir Drei sind ein Künstlerteam. In unserem Format 3 NUN spielen wir seit 5 Jahren miteinander in den Feldern Meditation, Schreiben, Beweguns- und Musikimprovisation. Lassen uns auch von bildnerischer Kunst inspirieren, filmen unser Material, finden tiefen Erfahrungsaustausch und Darstellungsformen.

Auf meinem Arbeitsweg im Zug, auf Spaziergängen oder beim Tagebuchschreiben kamen Melodien und Texte, manchmal getrennt voneinander, manchmal gleichzeitig. Meist ungeplant, überraschend. Es wurden mehr und mehr und der Wunsch wurde größer, sie zu formen, Entscheidungen zu treffen, Stücke daraus entstehen zu lassen. Unsere Zusammenarbeit wurde intensiver und allmählich kamen auch Gelegenheiten, unsere Lieder aufzuführen.

Im September 2019 im BewegungsZentrum Beckenboden von Cordula Haselwander nannten wir uns zum ersten Mal offiziell 2 sam.

Im Resonanzraum mit Menschen, die sich öffnen und auf unsere Kunst einlassen, bekommen wir ein wunderbares Geschenk. Für diese Möglichkeiten sind wir überaus dankbar! Denn das Teilen von Worten untermalt von arrangierten Klängen macht alles zusammen größer.

 

Susan Gönner